Neues aus dem Archiv

September 2021

Ankündigung der Ausstellung

 

Regionale Planung für Bochum

 

Zeitraum: 17. Oktober 2021 bis 30. November 2021

 

Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags, 10.00 bis 18.00 Uhr, samstags und sonntags, 11.00 bis 17.00 Uhr.

 

Eintritt frei

 

Bitte beachten Sie eventuelle Änderungen unter www.bochum.de/stadtarchiv.

 

Ort: Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte

 

Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung Bochums zunehmend von der sich verdichtenden Region des Ruhrgebiets mitbestimmt. 1920 wurde mit Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) eine Institution gegründet, die die Entwicklung des Ruhrgebiets durch Raumplanung zu steuern versuchte. Mit dem Regionalverband Ruhr existiert bis heute ein Nachfolger des SVR und damit Instanz für die Raumplanung auf regionaler Ebene.

 

In Kooperation mit dem Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte zeigt das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets im Herbst 2021 eine Ausstellung zu Planungen des SVR mit Auswirkungen auf das Bochumer Stadtgebiet. Die Ausstellung präsentiert anhand von Plänen des SVR Planungen aus den Bereichen Grünflächenschutz, Straßenverkehr, Freizeit und die Idee eines Flughafens für Bochum und erläutert dabei grundsätzliche Instrumente der Regionalplanung und die Geschichten hinter den Planungen.

 

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Januar 2021

Leider warf die Coronapandemie auch ihren Schatten über das 100jährige Jubiläum des Regionalverbands Ruhr. Der geplante Festakt des Verbands fiel aus, die Sonderausstellung des Ruhr Museums „100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole“ ist derzeit geschlossen. Laut Website des Museums ist die Ausstellung noch bis zum 9. Mai zu sehen und es bleibt zu hoffen, dass ein Besuch bis dahin möglich sein wird. Auch das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets hat Exponate zu dieser Ausstellung beigesteuert. Dazu gehören Anstecker, Flugblätter und Plakate aus dem Bestand der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, die den Kampf um den Erhalt des Kohlebergbaus und seiner Arbeitsplätze in Erinnerung rufen wie auch Pläne des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk (SVR) und Publikationen des Verbandes. Sie spiegeln die Kehrseite der monostrukturellen Montanregion Ruhrgebiet: Die Notwendigkeit einer regionalen räumlichen Planung in dem rasant wachsenden Ruhrgebiet, die Bekämpfung der Umweltschäden durch Bergbau und Stahlproduktion und die Notwendigkeit für neue Lösungen zum Beispiel in der Abfallversorgung oder bei der Versorgung der Bevölkerung mit dem knappen Gut eines zur Freizeitgestaltung geeigneten Raums. Die nebenstehenden Bilder geben Eindrücke aus der Ausstellung wieder. Die Fotos wurden und freundlicherweise vom Ruhr Museum zur Verfügung gestellt. Fotos: Rainer Rothenberg, Ruhr Museum.


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Juli 2020

Nach 50 Jahren endete die Produktion von Opel in Bochum. Werk und Stadt haben sich in dieser Zeit gegenseitig geprägt. Mit dem Bestand Wolfgang Schaumberg verfügt das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets über Archivalien, die Einblick in die Arbeitswelt innerhalb von Opel in Bochum geben. Die nun freigeschaltete Beschreibung zum Bestand beschreibt kurz dessen wesentliche Inhalte und erklärt Herkunft und Entstehungsgeschichte des Bestandes.

 

 
Mai 2020

Das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets erschließt Varia.

 

In den vergangenen Jahren konnte das Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets Ausstellungen in verschiedenen Museen mit Objekten aus seinen Beständen bereichern, die im Grunde nicht zu klassischem Archivgut zählen. Dazu gehören Fahnen, aber auch eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Objekte wie Schmuckteller, Anstecknadeln oder Dinge, deren Funktion bisweilen rätselhaft bleibt. Solche Ausstellungsstücke waren stets gefragt – das Ruhr Museum in Essen, das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum, das Haus der Geschichte in Bonn, das Technoseum in Mannheim und viele andere mehr suchten hier nach Ausstellungsstücken. Und „suchen“ war in der Vergangenheit wörtlich zu nehmen, denn die verschiedenen Objekte lagerten an unterschiedlichen Orten in den Magazinen und mussten jedes Mal aufs Neue durchwühlt werden. Nachdem das Archiv seine Fahnensammlung erschlossen hat (siehe unten die Meldung von August 2019), wurden auch die anderen Objekte verzeichnet.

 

Dabei stellten wir uns zunächst die Frage, ob diese Objekte überhaupt in unserem Archiv verbleiben sollten. Schließlich handelt es sich bei ihnen nicht um klassisches Archivgut und ihre Aufbewahrung bringt Probleme mit sich. Jedoch hat das Archiv diese Gegenstände nicht aktiv gesammelt, sie sind vielmehr ganz überwiegend mit den Beständen der Gewerkschaften, also der Gewerkschaft Leder, der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik (IG CPK) und der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE) ins Archiv gelangt und gehören damit zur Erinnerungskultur der Gewerkschaften. Deswegen entschieden wir uns allgemein für den Behalt der Objekte, bewerteten aber nach verschiedenen Kriterien. So wurden Objekte kassiert, deren Funktion im Rahmen der Gewerkschaften nicht zu bestimmen waren, vor allem alltägliche Gebrauchsgegenstände, denen ein inhaltlicher Bezug zur Arbeit der Gewerkschaften nicht anzusehen war.

 

Die nun erschlossenen Objekte bilden innerhalb des Archivs ein eigenes Selekt mit der Bezeichnung Varia. Dazu zählen die zahlreichen und massenhaft industriell hergestellten Bierkrüge, -gläser und Kaffeetassen, die von den Gewerkschaften zu Jubiläen, Kongressen oder schlicht als Werbegeschenke produziert wurden ebenso, wie mehr oder weniger hübsch verzierte Kohlebriketts aber auch ganz einzigartige Stücke, wie ein kleiner handbemalter Zeppelin aus Glas, der aus der Gablonzer Glasschmuckindustrie stammt. Die aufgemalten schwarz-weiß-roten Flaggen sprechen für eine Herstellung vor 1918, was aber nicht notwendig so sein muss. Die abblätternden Farben zeigen leider auch, welche Probleme ein Archiv mit der Aufbewahrung solch unterschiedlicher Materialen hat. Objekte wie der gläserne Zeppelin müssten zum Erhalt sicher einer Materialuntersuchung unterzogen und die Farben dann gesichert werden. Die Glas- und Porzellanmaler waren übrigens im Fabrikarbeiterverband organisiert, dem sozialdemokratisch orientierten Vorläufer der IG CPK.

 

Mit zum Selekt gehören nun auch Objekte aus der DDR, wie die etwas über zwanzig Zentimeter hohe Wachskerze "30 Jahre Kampfgruppen der Arbeiterklasse", die in Wachs einen Uniformierten mit Gewehr zeigt. Wie auch viele Fahnen aus dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) der DDR, die sich im Archiv finden, ist diese Kerze Zeuge der Überlieferungsgeschichte von Teilen der gewerkschaftlichen Bestände. Bisweilen wurde im Zuge der deutschen Vereinigung die Überlieferung von Gewerkschaften des FDGB nurmehr als Ballast empfunden und auf die Straße gekippt und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Archive der westdeutschen Gewerkschaften gerettet. Bisweilen dürften solche Einrichtungsgegenstände auch schlicht bei der Vereinigung von ost- und westdeutschen Gewerkschaften in den Büros verblieben sein und irgendwann beim Aufräumen ihren Weg in die Gewerkschaftsarchive und von dort in das Ruhrgebiet angetreten haben.

 

Alle Objekte des Selekts Varia im Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets sind online unter http://134.147.239.79/start.fau?prj=AHGR recherchierbar. Die Objekte sind dort beschrieben. Im Archiv liegen auch Fotos der Objekte vor, diese werden jedoch nicht in der Datenbank angezeigt und können nur auf Anfrage eingesehen werden.


Handdekorierter Glaszeppelin der Gablonzer Glasschmuckindustrie, mutmaßlich Christbaumschmuck, wahrscheinlich vor 1914, Bestand der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik, vorl. Nr. V178