Fundstücke aus dem Archiv im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets

Ausgesuchte Archivalien aus dem Archiv kurz vorgestellt und erläutert:

RVR 120905-6

 

Dieses Fundstück steht stellvertretend für eine ganze Zahl von Fundstücken im RVR-Bestand. Es handelt sich um einen Wirtschaftsplan der Stadt Wattenscheid, der 1936 angefertigt und 1941 überarbeitet festgestellt wurde. Ab 1923 wurden solcherlei Pläne, in denen sich die Planung zukünftiger Stadtentwicklung wiederspiegelt, für nahezu alle Städte des Ruhrgebiets erstellt. Einige davon lassen sich heute in unserem Archiv finden.

 

Wirtschaftspläne sind gewissermaßen die Vorgänger des heutigen Flächennutzungsplans, eines der bedeutendsten Planungsinstrumente heutiger Raumplanung. Sie ordnen den verschiedenen Flächen einer Stadt oder Region ihren erwünschten und verbindlichen Nutzen zu, an dem sich dann die kleinteiligeren Bebauungspläne (damals Fluchtlinienpläne) orientieren müssen. Die konkrete Idee der Wirtschaftspläne für das Ruhrgebiet stammte von Robert Schmidt (1869-1934), dem ersten Verbandsdirektor des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (SVR). Das Ruhrgebiet litt zu seiner Entstehungszeit und in den folgenden Jahrzehnten unter der ungeordneten Verstädterung der ehemals dörflichen Gemeinden. Durch die Gründung des SVR sollte den gleichartigen Problemen der Städte (Verkehrschaos, Hygienemängel, Naturraumverluste etc.) auf regionaler Ebene begegnet werden. Die Pläne sollten nicht nur die Flächenplanung der einzelnen Städte zukunftsorientiert durchdenken und ordnen, sondern auch eine Grundlage für die Gesamtplanung des Ruhrgebiets schaffen. So werden, anders als der Name „Wirtschaftsplan“ vielleicht vermuten lässt, neben Industrie und Landwirtschaft beispielsweise auch Siedlungs- und Erholungsflächen ausgewiesen.

 

 

Rvr 120905-6

RVR 1420

 

Das aktuelle Fundstück gehört zu einem Vorgang aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) war damals unter anderem im Rahmen der Landschaftspflege mit Begrünungen von Grundstücken öffentlicher Bauträger beschäftigt. Zu diesem Zweck plante der SVR die Bodenmodellierung, stellte Pflanzengruppen zusammen und förderte die Pflanzung der ausgewählten Gehölze finanziell.

 

In der Akte RVR 1420 aus dem Bestand Regionalverband Ruhr findet sich der Vorgang der Begrünung einer Pumpstation des Lippeverbandes in Lünen-Lippolthausen sowie der Uferbeflanzung eines dortigen Baches. Der Vorgang besteht aus Schriftwechseln mit dem Lippeverband, Listen der zu pflanzenden Gehölze, Pläne, wie die Begrünung im Raum ausgeführt werden soll sowie aus internen Aktenvermerken zur Verwendung der Finanzmittel. Hier findet sich auch das abgelichtete Fundstück mit dem aufgeklebten Blatt der Roteiche (Quercus rubra) und dem Vermerk: "Rauchkrankes Quercus-rubra-Blatt vom Pumpwerk Lünen-Lippolthausen. Mit Ausnahmen von Vib.[urnum] lantana [Wolliger Schneeball] sehen alle Gehölze ähnlich aus."

 

In Lünen machten die Emissionen des Aluminiumwerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG (VAW) den Pflanzen zu schaffen. 80 Prozent der am Pumpwerk gesetzten Pflanzen gingen wegen der Schadstoffe wieder ein. Mehrfach wurden Pflanzen in wechselnder Kombination nachgesetzt. Das vorgestellte Fundstück steht daher für ein Problem und einen Lösungsansatz, die seit den 1920er Jahren bestanden. Die starke Luftverschmutzung im Ruhrgebiet, vor allem durch schwefelhaltige Gase, führte zu einem Absterben der Vegetation. Statt aber die Ursachen zu bekämpfen, wurde lange Zeit hindurch versucht, die Vegetation an die Luftverschmutzung anzupassen. So unterhielt der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk zeitweise eigene Baumschulen, in denen versucht wurde, sogenannte "rauchharte Gehölze" zu züchten, die unter den Bedingungen der Industrielandschaft existieren konnten. Diese sollten dann bei Aufforstungsaktionen angepflanzt werden. Entsprechend änderte der SVR auch noch 1966/1967 die Pflanzungsempfehlungen und konnte dann, nach Neupflanzen entsprechender Arten, ein verbessertes Wachstum der Pflanzen feststellen.

 

 

 

Autobiographisches Manuskript von Vincentius Gozdzikowski

 

Der 1875 in Westpreußen geborene Bergmann Vinzent Gozdzikowski schrieb Ostern 1950 einen kurzen Bericht über sein Leben als Bergmann und Gewerkschaftsfunktionär im Ruhrgebiet nieder. Maßregelungen während des Kaiserreichs, der Erste Weltkrieg und die politische Verfolgung im Nationalsozialismus führten zu einem entbehrungsreichen und unsteten Leben.

 

Wir stellen das Manuskript zusammen mit einer transkribierten Fassung hier vor.

 

Das Manuskript selbst ist unter der Signatur LB1 im Archiv vorhanden.

 

Links mit Pfeife: Vinzent Gozdzikowski